Ich habe in der Vergangenheit viel über eine Szene nachgedacht, die Stanislaw Lem ganz nebensächlich im ersten Abschnitt seines Sciencefiction-Romans “Fiasko” beschreibt. Ein Arbeiter auf einem Saturnmond ist dort gezwungen, vor seiner notfallbedingten Schockfrostung eine grenzenlos bizarre Szenerie aus Eis zu betrachten. Viele Gedanken gehen ihm dabei durch den Kopf - aber eine zentrale Idee dreht sich um die Tatsache, dass die Natur die großartigsten Kunstwerke weit abseits bewohnter Gebiete hervorbringt. Dabei gebiert sie eine Vielfalt an Formen und Impressionen, die jeden menschlichen Künstler vor Ehrfurcht erblassen lassen - und ist trotzdem frei von jedweder Eitelkeit, diese Gebilde zur Schau zu stellen.
Diese Gedanken begleiten mich seitdem auf vielen Reisen - ob in den Grotten von Postojna, zwischen den Dünen der Sahara oder vor den Eisbergen von Ilulissat - stets ist es der Mensch, der einen weiten Weg auf sich nehmen muss um die Wunder der Natur betrachten zu dürfen. Nie biedert sich die Natur mit Ihren Werken bei uns an. Sie kreiert, ohne nach Publikum zu fragen - und zerstört, ohne nach Dauerhaftigkeit zu streben.
Doch nun zur Fotografie. Als Landschaftsfotograf steht man oft vor der Frage, wie weit zu gehen man bereit ist, um seine Motive zu finden. Zum Glück ist es nicht notwendig, wie in Lems Roman einen Saturnmond aufzusuchen - denn auch auf unserem Planeten finden sich Plätze voll von überbordendem visuellem Reichtum und Schönheit. Als ich im Alter von 18 Jahren zusammen mit einem Freund den Skierfe am Rand des Sarek-Nationalparks bestieg und im Abendlicht den unglaublichen Ausblick auf die schlangenartig verästelten Arme des Flusses Rapaälv genießen durfte, wusste ich: Der Weg in die Natur lohnt sich und belohnt mich - immer.